Seuchendruck durch Afrikanische Schweinepest bleibt hoch

In Deutschland ist ein Ende des Auftretens der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im Wildschweinebestand nicht abzusehen. In der vergangenen Woche ist bis einschließlich Donnerstag den (8.7.) die Zahl der infiziert aufgefundenen Kadaver seit dem ersten Nachweis auf 1 511 Fälle gestiegen, so die aktuellen Daten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI). Schwerpunkt der ASP-Nachweise bleibt Brandenburg, wo es bisher 1 225 Fälle gab; in Sachsen waren es 286.
Mit jeder neu festgestellten Infektion verlängert sich auch die Exportsperre für Schweine und Schweinefleisch in die meisten Drittländer, die nach internationalen Regeln für eine neue Marktzulassung eine ASP-Freiheit von einem Jahr fordern, wenn keine Regionalisierung vereinbart ist. Polen kommt in puncto ASP ebenfalls nicht zur Ruhe. Die oberste Veterinärbehörde bestätigte vergangene Woche vier neue Ausbrüche der hochansteckenden Tierseuche in Landwirtschaftsbetrieben. Eine Woche zuvor waren drei Haltungen im Karpatenvorland, Podlachien sowie der Wojewodschaft Ermland-Masuren betroffen.

Insgesamt haben die Behörden nun seit Jahresanfang 15 ASP-Herde in Schweinehaltungen verzeichnet; in Deutschland ist hingegen noch keine Nutztierhaltung betroffen. Die seit einigen Wochen anhaltende Serie von ASP-Fällen in polnischen Betrieben sorgt auch in der exportorientierten dänischen Schweinebranche für Verunsicherung. Medienberichten zufolge befürchten dänische Lieferanten nun einen Einbruch der Nachfrage aus Polen, da viele Schweinehalter in den dortigen Risikogebieten ihre Bestände zügig verkaufen, aber in vielen Fällen nur sehr zögerlich wieder einstallen. Der Poolpreis der dänischen Ferkelnotierung hatte vor diesem Hintergrund in den vier Wochen bis zum vorvergangenen Freitag (2.7.) schon um umgerechnet etwa 17,50 Euro auf 49,10 Euro pro Stück nachgegeben.

Unterdessen zeigte sich Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther hochbesorgt über die Ausbreitung der ASP im Freistaat. "Es werden immer mehr erkrankte Tiere in Ostsachsen registriert", berichtete der Agrarressortchef am vorvergangenen Sonntag (4.7.). Die Eindämmung der ASP sei ein Ziel der gesamten Staatsregierung, weshalb seit Monaten das zuständige Sozialministerium und andere Beteiligte intensiv bei der Seuchenbekämpfung unterstützt würden. Um das weitere Eindringen und die Ausbreitung der Seuche zu verhindern, setze die Staatsregierung auf einen Dreiklang aus Zaunbau, Entnahme und Jagd, so Günther.

Im bisher noch nicht direkt betroffenen Mecklenburg-Vorpommern wird die Gefahr einer Einschleppung der ASP als hoch eingestuft; die nächsten Nachweise sind nur 35 km Luftlinie von der Landesgrenze entfernt. Nun soll mit einem zweiten Zaun die Schutzwirkung des ersten an der polnischen Grenze erhöht werden. Dieser wird im Landkreis Vorpommern-Greifswald südlich der Autobahn A11 über eine Gesamtstrecke von 2,5 km mit Anschluss an den brandenburgischen ASP-Schutzkorridor errichtet. "Mit diesem zweiten Zaun bilden wir quasi einen Riegel. Der soll möglichst frei von Wildschweinen werden", erläuterte Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus. Der Landkreis stehe sozusagen an vorderster Front im Kampf gegen die ASP. Deswegen werde das Land die Kosten für die weitere Baumaßnahme von rund 100 000 Euro tragen. "Wenn alles nach Plan läuft, können wir schon im August mit dem Bau beginnen", so Backhaus.


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