Auch die Getreideerzeuger fordern staatliche Unterstützung

In Frankreich haben jetzt auch die Getreideerzeuger angesichts schlechter Ernten und ungewisser Zukunftsaussichten nach staatlicher Unterstützung gerufen. Mehr als die Hälfte der Getreidebauern werde 2020 kein Einkommen erwirtschaften, erklärte der Präsident des Erzeugerverbandes (AGPB), Eric Thirouin, gestern in Paris. Das Durchschnittsergebnis verdecke die enormen regionalen Ertragsunterschiede. Die ersten Prognosen seien viel zu optimistisch gewesen, und die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Betriebe würden deutlich gravierender als zunächst erwartet ausfallen.

Wie AGPB-Generalsekretär Philippe Heusèle berichtete, werden nach Angaben der landwirtschaftlichen Sozialkasse (MSA) Betriebe mit dem Schwerpunkt Getreide- und Ölsaatenproduktion vor Steuern im Median einen Verlust von 1 000 Euro erwirtschaften. Das verstärke die angespannte Situation der vergangenen acht Jahre. Ursache seien die schlechten Witterungsbedingungen, der Verlust von Betriebsmitteln und die nationale Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP).

Der Verbandspräsident forderte von Landwirtschaftsminister Julien Denormandie, den geschwächten Betrieben unverzüglich unter die Arme zu greifen. Zu diesem Zweck sollte bis zum 15. Oktober ein Vorschuss in Höhe von bis zu 80 % auf die GAP-Beihilfen gezahlt werden. Zudem müssten betroffene Betriebe von Steuern und Sozialabgaben entlastet und die Selbstbeteiligung bei den Ernteversicherungen abgesenkt werden. Besonders stark getroffene Landwirte sollten zudem staatliche Darlehen erhalten können.

Nach dem Willen des Erzeugerverbands soll die Politik die Getreidebauern auch langfristig unterstützen. Zudem seien angemessene Rahmenbedingungen zu schaffen. Angesichts zunehmender Blockaden bei der Schädlingsbekämpfung dürften Pflanzenschutzmittelwirkstoffe nicht mehr ohne wirtschaftlich tragfähige Alternativen aus dem Verkehr gezogen werden. Noch immer warteten die Landwirte auf klare Antworten zu zentralen Themen wie dem Glyphosat-Ausstieg oder den Abstandsregelungen bei den Flächen ohne Pflanzenschutzeinsatz (ZNT).

Der AGPB veranschlagt die diesjährige Weichweizenernte auf weniger als 30 Mio t, was gegenüber 2019 einem Minus von 25 % entsprechen würde und eine der niedrigsten Mengen seit 30 Jahren wäre. Der Statistische Dienst beim Pariser Landwirtschaftsministerium (Agreste) hatte seine Ernteschätzung zum 1. August spürbar herabgesetzt. Die Statistiker erwarteten zuletzt rund 29,7 Mio t Weichweizen, 11,3 Mio t Gerste und 3,3 Mio t Raps und damit bei Gerste und Raps 17,8 % beziehungsweise 4,8 % weniger als im Vorjahr. Allerdings war 2019 mit insgesamt mehr als 70 Mio t Getreide ein Rekordergebnis eingefahren worden, wovon 39,6 Mio t auf Weichweizen und 13,7 Mio t auf Gerste entfallen waren. AgE


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