Lauter Ruf nach einer Agrarwende

Mit einem Demonstrationszug durch die Koblenzer Innenstadt haben die im Aktionsbündnis "Wir haben es satt!" organisierten Verbände ihrer Forderung nach einer Agrarwende Nachdruck verliehen. Nach Angaben der Organisatoren zogen gestern zum Auftakt des informellen EU-Agrarrats rund 1 200 Menschen - angeführt von Landwirten mit Traktoren - zum Koblenzer Schloss, wo sie sich lautstark Gehör verschafften. Nach Ansicht der Bündnispartner sind die von Brüssel gezahlten pauschalen Flächensubventionen nicht mehr zeitgemäß. Bei der aktuellen Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) müssten stattdessen der Klima- und Insektenschutz vorangebracht, der Umbau der Ställe hin zu artgerechter Haltung finanziert und das Höfesterben beendet werden.

Die Flächensubventionen nach dem Motto "Wer viel hat, dem wird gegeben" befeuerten einen massiven Konzentrationsprozess in der europäischen Landwirtschaft, kritisiert das Aktionsbündnis. Trotz hunderten Milliarden Euro an Subventionen hätten in der Europäischen Union zwischen 2005 und 2016 mehr als 4 Millionen Bauernhöfe beziehungsweise 29 % der Betriebe ihre Tore endgültig geschlossen. Die übrigen Landwirte bewirtschafteten immer größere Flächen. "Von den Subventionen profitieren die, die auf Masse und nicht nachhaltig produzieren", so die Hauptkritik. Das müsse sich ändern.

Bereits in der vergangenen Woche hatten sich mehr als 400 bäuerliche und zivilgesellschaftliche Organisationen aus zwölf EU-Mitgliedsstatten in einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner als Vorsitzende des EU-Agrarrats gewandt. Gefordert wird darin unter anderem eine GAP-Reform, die mit dem Green Deal, der Farm-to-Fork-Strategie und der Biodiversitätsstrategie in Einklang sein sollte und dabei klare, verbindlichen Ziele und Maßnahmen auf EU-Ebene beinhalten müsse. Außerdem sollte das System der pauschalen Flächenprämien durch das Prinzip "Öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen" ersetzt werden.

Rund um den Agrarrat in Koblenz, der noch bis morgen dauert, wird es insgesamt zehn Kundgebungen geben. Nach Angaben der Polizei haben verschiedene Organisationen, Initiativen und Verbände Versammlungen, Mahnwachen und Märsche angemeldet. AgE


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