Wissenschaftlicher Beirat rät zu tiefgreifenden Änderungen der Konsumgewohnheiten

Für unabdingbar hält der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) eine grundlegende Änderung der deutschen Konsumgewohnheiten und den Aufbau einer integrierten Politik für eine nachhaltigere Ernährung. In dem heute vom WBAE-Vorsitzenden Prof. Harald Grethe an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner übergebenen Gutachten zur "Nachhaltigeren Ernährung" stellt der Beirat fest, dass die bestehenden ernährungspolitischen Rahmenbedingungen aktuell "wenig nachhaltigkeitsförderlich" seien und Deutschland in dieser Hinsicht anderen europäischen, aber auch Drittländern hinterherhinke. Beklagt werden diesbezüglich unter anderem eine zu starke Verlagerung der Verantwortung auf das Individuum und die Vernachlässigung verfügbarer Unterstützungsinstrumente für eine nachhaltigere Ernährung.
Vor diesem Hintergrund adressiert der Beirat mit Gesundheit, Soziales, Umwelt und Tierwohl vier Felder, in denen nach seiner Einschätzung Veränderungen zugunsten einer nachhaltigeren Ernährungsweise erforderlich sind. Empfohlen werden unter anderem die Reduzierung des Konsums tierischer Erzeugnisse, auch durch eine höhere Mehrwertsteuer, ein mehrstufiges staatliches Tierschutzlabel mit tendenziell steigenden Anforderungen und eine nationale Nutztierstrategie.

Die Wissenschaftler betonen in ihrem Gutachten den Nutzen des ökologischen Landbaus, plädieren aber gleichwohl nicht für eine Komplettumstellung der gesamten deutschen Landwirtschaft. Stattdessen zielen sie auf "nachhaltigere Landbausysteme mit höherer Flächennutzungseffizienz als im Ökolandbau" ab. Letzterer sollte nach ihrer Expertise vor allem da gefördert werden, wo er einen "besonders hohen Nutzen" hat, beispielsweise in den Roten Gebieten. Der Einsatz moderner Züchtungstechnologien wird ebenfalls empfohlen.

Das Gutachten stützt außerdem das Vorhaben der Bundesministerin, eine europaweit einheitliche erweiterte Nährwertkennzeichnung wie den Nutri-Score im Rahmen der deutschen Ratspräsidentschaft voranzubringen. Geraten wird zur Umsetzung der Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in der Kita- und Schulverpflegung. Um den Konsum "wenig nachhaltiger" Produkte tendenziell zu dämpfen, sollte nach den Vorstellungen der Beiratsmitglieder eine stufenweise steigende Verbrauchssteuer auf alle zuckerhaltigen Getränke eingeführt werden.

Klöckner sieht viele der Vorschläge und Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirats als "Rückenwind für die Ernährungspolitik" ihres Ministeriums an. Es gehe um eine gesunde Ernährung in allen Lebensphasen. Viele Empfehlungen des Beirats werden nach Auffassung der Ministerin bereits im Rahmen der Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung umgesetzt. Ziel sei es, entlang der gesamten Produktions- und Lieferkette die Lebensmittelverschwendung bis zum Jahr 2030 deutlich zu reduzieren, im Handel und auf Verbraucherebene sogar zu halbieren. AgE


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