Müller warnt vor dramatischer Verschärfung

Vor einer weiteren dramatischen Verschärfung der weltweiten Hunger-Krise hat Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller gewarnt. Unter Berufung auf den Welternährungsbericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wies Müller in Berlin darauf hin, dass 2019 rund 60 Millionen Menschen mehr als vor fünf Jahren nicht genug zu essen gehabt hätten. Allein in Afrika leide jede Fünfte an Hunger. Die Corona-Krise und die Heuschreckenplage im Osten Afrikas sorgten für dramatische zusätzliche Belastungen. Schon jetzt seien durch Corona mehr als 130 Millionen Menschen neu von Hunger bedroht.

Müller stellte klar, dass viele Menschen in Afrika, Lateinamerika und Asien nicht an dem Virus sterben würden, sondern an Hunger. Außerdem vernichteten Heuschreckenschwärme in Ostafrika jeden Tag Nahrung, die eigentlich für 35 000 Menschen reichen würde. Um eine weitere Verschärfung im Zuge der Corona-Krise zu vermeiden, seien bis Ende des Jahres zusätzlich umgerechnet etwa 9 Mrd Euro nötig.

"Wir dürfen es nicht hinnehmen, dass nach zehn Jahren des Rückgangs die Hungerzahlen weiter ansteigen", betonte der CSU-Politiker. Nicht nur Krisen und Plagen, sondern auch der Klimawandel und gewaltsame Konflikte zerstörten die Lebensgrundlagen der Menschen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit habe im Zuge des Corona-Sofortprogramms kurzfristig 200 Mio Euro für Ernährungssicherung mobilisiert. "Und wir werden dieses Engagement zusammen mit unseren Partnern weiter substanziell ausbauen", kündigte der Minister an. Die Sonderinitiative "Eine Welt ohne Hunger", mit der schon jetzt die Ernährungslage für Millionen von Menschen hätte verbessert werden können, werde auch 2021 aufgestockt.

Die FAO hatte gestern in Rom den diesjährigen Welternährungsbericht vorgelegt. Demnach litten 2019 weltweit insgesamt fast 690 Millionen Menschen Hunger; das waren 10 Millionen mehr als 2018 und 60 Millionen mehr als fünf Jahre zuvor. Der Grund für die verglichen mit früheren Schätzungen, wonach noch mehr als 800 Millionen Menschen weltweit an Hunger und chronischer Unterernährung leiden würden, erfolgte Reduzierung sind laut FAO neue, revidierte Daten aus China und anderen bevölkerungsreichen Ländern. Nichtsdestoweniger gebe es keine Änderung beim Trend, stellte die Organisation klar. Im langfristigen Vergleich ergebe sich dieselbe Schlussfolgerung: Nach Jahrzehnten des Rückgangs nehme die Zahl der Hungernden seit 2014 wieder zu. Die FAO geht außerdem davon aus, dass aufgrund der Corona-Pandemie Ende 2020 weitere 130 Millionen Menschen an chronischem Hunger leiden dürften. AgE


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