Hohe Stickstoffgaben beim Weizen in trockenen Jahren oft sinnlos

Bei der Stickstoffdüngung ist vor allem in trockenen Jahren das Optimum schnell erreicht. Das zeigen Düngeversuche, die in den vergangenen Jahren am Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte an der Humboldt-Universität (IASP) durchgeführt worden sind. Wie der Leiter der IASP-Versuchsstation in Berge, Dr. Andreas Muskolus, gestern bei einer von der Zuse-Gemeinschaft organisierten Feldbegehung erläuterte, führen hohe Stickstoffgaben bei gängigen Weizensorten auf dem lehmigen Brandenburger Sandboden des Versuchsstandortes bei Trockenheit nicht zu Mehrerträgen, sondern im Vergleich zu "normal" gedüngten Beständen sogar zu niedrigeren Getreideerträgen pro Hektar. Unter normalen Witterungsbedingungen sei der Ertrag schon ab einer Stickstoffdüngung von 135 kg N pro Jahr und Hektar deutlich gesunken.

Für Muskolus belegen die Zwischenergebnisse des mehrjährigen Projekts, dass die üblichen Stickstoffgaben im Weizen von rund 180 kg N/ha insbesondere unter den trockenen Frühjahrsbedingungen der vergangenen Jahre oft am tatsächlichen Bedarf der Pflanzen vorbeigehen. Die Folge seien erhebliche Stickstoffüberschüsse, die über die Luft oder das Grundwasser in die Umwelt gelangten. Nicht gelten lassen will der Wissenschaftler das mit späten N-Gaben verbundene Ziel hoher Proteingehalte beim Weizen. Er verwies dazu auf bestimmten Weizensorten, die auch bei unterdurchschnittlichen Eiweißwerten und mit moderaten Düngegaben gute Backqualitäten lieferten.

Muskolus regte mit Blick auf die auch politisch gewollte Begrenzung unerwünschter Stickstoffemissionen vom Acker ein Umdenken im nationalen und internationalen Handel an, wo hohe Eiweißgehalte über dem für gute Backeigenschaften notwendigen Niveau weiterhin mit Zuschlägen honoriert würden. Sinnvoller wären aus seiner Sicht die Nutzung genügsamerer Sorten sowie agronomische Maßnahmen zur effizienteren Stickstoffnutzung ohne Bilanzüberschüsse. Nicht zuletzt mit Hilfe digitaler und teilflächenspezifischer Technologien für die bedarfsgenaue Nährstoffapplikation wären dann gute Erträge bei deutlich minimierten Stickstoffverlusten möglich, so der Agrarwissenschaftler. AgE


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