Landvolk: Mainstream wichtiger als Fachwissen

Die Entscheidung des Bundesrates für einen weitgehenden Ausstieg aus der Kastenstandhaltung von Sauen wird in der Agrarbranche weiter kritisch kommentiert. Ihre Skepsis machten heute das Landvolk Niedersachsen und das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland (AEF) deutlich.

Mit dem Bundesratsbeschluss werde eine jahrelange, bewährte Praxis zum Schutz von Sau und Ferkel "mit Füßen getreten", erklärten Landvolkvizepräsident Jörn Ehlers sowie der Vorsitzende des Arbeitskreises Sauenhaltung, Enno Garbade. Offenbar stehe Fachwissen heutzutage "weit hinter Mainstream und Populismus", so die Verbandsvertreter. Sie räumten ein, dass mit der Entscheidung der Länderkammer die sofortige Umsetzung des Magdeburger Urteils abgewendet werde. Allerdings komme auf Niedersachsens Tierhalter eine enorme Belastung zu.

"Die Zeit der Ungewissheit für die Sauenhalter ist nunmehr vorbei", stellte der AEF-Vorsitzende Uwe Bartels fest. Gleichzeitig sei jedoch die Unsicherheit gestiegen, ob die Betriebe den "Richtungswechsel" wirtschaftlich überleben würden. Bartels wies darauf hin, dass die Umsetzung der baulichen Vorgaben nach wie vor an der geltenden Rechtslage im Bau- und Immissionsschutzrecht scheitere. Damit könnten die gewünschten Änderungs- und Umbaumaßnahmen in der Sauenhaltung nicht wie gewollt zügig angegangen werden. Das wäre dem AEF-Vorsitzenden zufolge jedoch erforderlich, um von den Fördermitteln von 300 Mio Euro in den Jahren 2020 und 2021 profitieren zu können. Hier müsse die Bunderegierung schnellstens liefern.

Ohnehin stelle die Beschlusslage für viele Tierhalter eine "gewaltige Herausforderung" dar und sei vermutlich schon Grund für einige Sauenhalter zum Ausstieg. Bartels äußerte die Befürchtung, dass nach acht Jahren Übergangszeit für den Umbau des Deckzentrums "die große Ausstiegswelle" bei den Sauenhaltern kommen werde. Damit würden die Ferkelimporte weiterhin zunehmen. AgE


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