USDA-Zahlen sorgen für Preisdruck beim Terminweizen

Die Futures auf Weizen an der Terminbörse in Chicago haben sich als Reaktion auf den gestern veröffentlichten Bericht des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) zum internationalen Getreidemarkt verbilligt. Der Frontmonat kostete heute Mittag gegen 12 Uhr hiesiger Zeit 5,10 $/bu (173 Euro/t); das waren 1,6 % weniger als der Eröffnungskurs vom Vortag, also vor der Veröffentlichung des USDA-Berichtes. Für Preisdruck sorgte die Ernteprognose der Washingtoner Beamten für wichtige Weizenexporteure, darunter Argentinien, Australien, Kanada und Russland.

In Australien wird für 2020/21 gegenüber der laufenden Kampagne ein Sprung bei der Ernte um 8,8 Mio t auf 24 Mio t erwartet, da das Land sich von einer mehrjährigen Dürre erholt. In Russland soll die Weizenerzeugung um 3,4 Mio t auf 77 Mio t zulegen. Dagegen könnte das Weizenaufkommen in der EU-28 um fast 12 Mio t auf 143 Mio t abnehmen. Vor allem in Frankreich und Großbritannien wurde der Weizenanbau aufgrund des nassen Herbstes eingeschränkt, so dass in beiden Ländern im Jahresvergleich zusammen 10 Mio t Weizen fehlen könnten. Die diesjährige Produktion in der Ukraine taxiert das USDA auf 28 Mio t; das wäre 1 Mio t weniger als 2019, aber noch die zweitgrößte Menge überhaupt.

Unter dem Strich könnte die globale Weizenproduktion - normale Witterungsverhältnisse bis zur Ernte vorausgesetzt - den USDA-Prognosen zufolge um 4 Mio t auf das Allzeithoch von 768,5 Mio t steigen. Dem steht in der globalen Versorgungsbilanz 2020/21 ein geschätzter Verbrauch von 753,5 Mio t gegenüber. Durch den Angebotsüberhang könnten die globalen Weizenreserven bis zum Ende der Saison 2020/21 auf den Rekord von 310,1 Mio t wachsen.

Eine "große Unbekannte" mit Blick auf das neue Vermarktungsjahr bleiben für das US-Landwirtschaftsministerium indes die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Bisher habe Covid-19 keine größeren Anpassungen beim Weizenverbrauch notwendig gemacht, heißt es im aktuellen USDA-Bericht. Die Entwicklung müsse in den kommenden Monaten aber sehr genau beobachtet werden.

Nach Einschätzung von Marktanalysten kann angesichts einer nun grundsätzlich "bärischen" Stimmung kurzfristig allenfalls ein "Wettermarkt" für weiter steigende Weizenpreise sorgen. Sie verweisen auf irreversible Ertragsschäden in rumänischen und russischen Weizenbeständen, aber auch auf noch Niederschlagsdefizite in Teilen von Deutschland und Frankreich. Sollte der Regen im Mai weiter so spärlich ausfallen, könnte sich eine Risikoprämie beim Weizen ausbilden. An der Matif notierte neuerntiger Weizen heute Mittag bei 185,50 Euro/t. Ende April waren nach wochenlanger Trockenheit in den europäischen Weizenhochburgen allerdings noch bis zu 194 Euro/t bezahlt worden. AgE


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