Mühlen suchen "verzweifelt" nach Ware

Hartweizenmühlen und Teigwarenhersteller klagen über einen akuten Mangel an Hartweizen als Folge einer miserablen Ernte in wichtigen Anbaugebieten. Der Geschäftsführer des Verbandes der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS), Peter Haarbeck, bezeichnete die Lage heute in Berlin als "dramatisch". "Verzweifelt" werde nach Hartweizen gesucht, der aktuell fast drei Mal so viel koste wie sonst - wenn er überhaupt zu bekommen sei. Bei der Herstellung von Teigwaren mache der Rohstoffeinkauf den wichtigsten Posten in der Kalkulation aus. Laut VGMS-Vorstandsmitglied Guido Jeremias werden die Nudeln zwar sicher nicht ausgehen. Aber ob in diesem Jahr alle Regale mit Nudeln so gut gefüllt sein würden wie in der Vergangenheit, sei nicht vorhersehbar.
Nach Einschätzung von Jeremias wird es wegen der globalen Erderwärmung vermehrt zu extremen Wetterereignissen kommen, was Auswirkungen auf die Getreideernten und deren Qualität haben wird. Laut VGMS ist die Hartweizenerzeugung in Folge von Dürre und Hitze in den USA und Kanada, Überschwemmungen in Frankreich und zu viel Regen in Mitteleuropa zuletzt dramatisch geschrumpft. Kanada sei in normalen Jahren der wichtigste Exporteur für Hartweizen. Dort seien in diesem Jahr aber nur 3,5 Mio t geerntet worden; das seien 46 % weniger als 2020. Im vergangenen Jahr habe das nordamerikanische Land noch 5,8 Mio t Hartweizen und damit 90 % seiner Ernte exportiert, und zwar vor allem in die USA, den Maghreb und nach Europa. "Dieses Jahr wird Kanada die in Europa benötigten Mengen bei weitem nicht zur Verfügung stellen können", so Jeremias.

Dem VGMS zufolge fehlt Hartweizen auch in Osteuropa. Derweil hätten die Landwirte in Italien und die Türkei zwar eine "ordentliche" Ernte eingefahren. Als große Nudelproduzenten seien beide Länder aber darüber hinaus auf Importe angewiesen. Die mengenmäßig gute Ernte in Mitteleuropa habe keine guten Qualitäten hervorgebracht, weil Regen zur Erntezeit vielerorts zu Auswuchs geführt habe. Auch in Frankreich sei nur wenig Ware mühlenfähig. In Deutschland sei zwar wegen eines erfreulichen Ertrags- und Anbauflächenzuwachses eine Ernte von 215 000 t Hartweizen erzielt worden. Der Bedarf könne damit aber bei weitem nicht gedeckt werden; die acht Hartweizenmühlen in Deutschland benötigten nämlich jährlich insgesamt rund 400 000 t. Derweil seien die globalen Lagerbestände an Hartweizen im Zuge der seit Jahren steigenden Nachfrage auf einem 14-Jahrestief angelangt, so der VGMS. AgE


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