Getreidemarkt

Die diesjährige Getreide und Ölsaatenernte stellt die gesamte Agrarbranche vor neue Herausforderungen. So gingen im Frühjahr der Erfassungshandel und die Erzeuger aufgrund der üppigen Niederschläge und des kühlen Frühjahrs von einer guten bis spitzenmäßigen Ernte im Sommer aus. Teilweise wurde von einer Rekordernte geredet. Aufgrund dieser Erwartungen und den sonst hohen Getreidepreisen wurden überdurchschnittlich hohe Mengen bereits vor der Ernte gebunden.

Wie das Schicksal so will kommt die regionale Ernte nun doch anders als erwartet. Roggen ist zu kleinkörnig. Fast alle Getreidefrüchte leiden unter schwächeren Hektolitergewichten. Die Erträge bei Roggen, Gerste und Triticale sind flächendeckend schlecht (Ausnahmen bestätigen die Regel). Die Erträge beim Weizen sind bestenfalls Durchschnitt. Marktteilnehmer fragen sich wie es dazu kommen konnte, wo doch im Frühjahr alles so positiv ausgesehen hat. Zu wenig Sonnenstunden bei der Abreife und immer noch ein zu niedriger Grundwasserspiegel infolge der letzten 3 niederschlagsarmen Jahre sind erste Erklärungen für die bislang diesjährigen Ernteergebnisse.

Der Markt erlebt keinen Erntedruck. Geräumte Läger zu Beginn der Ernte und die mengenmäßig geringere Ernte verleiten zur Vorsicht beim Verkauf neuer Mengen. Erzeuger und Erfasser müssen erst einmal Ihre bereits getätigten Kontrakte erfüllen. Die Situation, kaum LKW Frachtraum zu bekommen, verschärft die Lage zusätzlich.

Die Marktpreisentwicklung trägt Ihr übriges zu dieser Situation bei. Extreme Trockenheit in den wichtigsten Anbauregionen Nordamerikas führen zu Erträgen so niedrig wie zuletzt 1993. Aus Kanada wird ein Minus von ca. 30% erwartet. Die russische Getreideunion reduziert Ihre Prognose zur diesjährigen Getreideernte auf unter 80 MioT (bislang ging man von 83 MioT Getreide aus). Das russische Analysehaus SovEcon rechnet gar mit lediglich 76,4 MioT. Auch die Brasilianische Maisernte wird kontinuierlich nach unten korrigiert. So meldete das Analysehaus AgRural ein Minus von 2 MioT. Der US-Agrarattache in der Türkei malt ebenfalls ein dürsteres Bild. Er reduziert die türkische Weizenproduktion nochmals um 0,5 MioT auf 16,5 MioT (Vorjahr 18,3 MioT). Der Importbedarf der Türkei soll somit auf einen Rekordwert 11,3 MioT (Vorjahr 8,2 MioT) ansteigen. Die jüngsten Meldungen trieben die Kurse auf beiden Seiten des Atlantiks auf neue Höchststände. Die Matif in Paris verzeichnete ein Plus von knapp 14 Euro/to gegenüber der Vorwoche.

Erzeuger und Händler versuchen vorrangig unter allen logistischen Schwierigkeiten Ihre bereits getätigten Kontrakte zu erfüllen. Ware darüber wird kaum am Markt gezeigt und verschwindet in den Lägern der Erzeuger und des Erfassungshandels. Unsere Gesamteinschätzung zur aktuellen Getreide Angebots- und Nachfragesituation der neuen Ernte: Auf 3 Verkäufer treffen momentan 7 Käufer.


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