Schumacher sieht traditionelle Märkte für deutschen Weizen gefährdet

Der Agrarmarktexperte Dr. Klaus-Dieter Schumacher geht davon aus, dass Deutschland einen Teil seiner traditionellen Exportmärkte für Weizen aufgrund niedriger Eiweißgehalte durch die verschärften Düngeregeln verlieren wird. "Dies wird aber wohl erst in zwei, drei Jahren richtig spürbar werden, wenn die Stickstoffvorräte in den Böden aufgebraucht sind", prognostiziert Schumacher im Interview mit AGRA-EUROPE, der nach 25 Jahren beim Hamburger Handelshaus Toepfer International, weiteren beruflichen Stationen bei der BayWa AG und der Nordzucker AG heute als selbständiger Berater in der Agrar- und Ernährungswirtschaft tätig ist.
Und noch viel größere "Gefahr" drohe, wenn die Farm-to-Fork-Strategie der Europäischen Union zusätzlich zum Tragen komme, erklärt Schumacher. Je nach Ausgestaltung könnte es dann sogar so weit kommen, dass Deutschland von einem Nettoausfuhrland zu einem Nettoeinfuhrland von Weizen werde. "Wir würden dann den Ackerbaugunststandort Deutschland aufgeben und Produktionsnotwendigkeiten in Regionen auslösen, die deutlich weniger nachhaltig als wir Weizen erzeugen können", warnte der Berater. Die wichtigste Frage bleibe dabei, wie stark der Fleischverbrauch tatsächlich sinken werde - mit der entsprechenden Konsequenz einer deutlich abnehmenden Nachfrage nach Futterweizen.

Was die Entwicklung der Rapspreise angeht, sieht Schumacher die bullischen Argumente überwiegen: "Wir haben mittlerweile im gesamten Ölsaaten- und Ölkomplex ein hohes Preisniveau erreicht. Und aktuell deutet alles darauf hin, dass wir auf diesem Niveau auch noch eine Weile bleiben werden". Viel hänge bei den Ölsaaten vom weiteren Wetter- und Vegetationsverlauf in Nordamerika ab. Die Hitze und Trockenheit in Teilen Kanadas schädigt auch den dortigen Raps, so dass aus Sicht des Marktexperten die Preise für die schwarze Ölfrucht auch 2021/22 wenig Luft nach unten haben dürften.

Bei Weizen wie Raps hält Schumacher das aktuell erreichte Preisniveau für so attraktiv, dass er über den Vorverkauf eines Teils der Ernte 2022 nachdenken würde. "Unverändert gilt: Beste Heilmittel für hohe Preise sind hohe Preise", gibt der Analyst zu bedenken. Die aktuell hohen Preise würden vielen Landwirten weltweit Anreiz bieten, die Anbauflächen zur Ernte 2022 auszudehnen. Entsprechend könne dann wieder mit einer großen Ernte und niedrigeren Preisen gerechnet werden. AgE


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