AMI empfiehlt Splitting auf mehrere Termine

Rapserzeugern, die von der jüngsten Preishausse bei der schwarzen Ölfrucht nur mit Restmengen profitiert haben, empfiehlt die Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) ein verändertes Timing bei der Vermarktung. "Ackerbauern sollten ihren Verkauf in volatilen Märkten auf mehrere Zeitpunkte splitten, zum Beispiel ein Drittel der erwarteten Erntemenge vor dem Drusch, ein weiteres Drittel in der Ernte und das letzte Drittel aus dem Lager heraus", erläuterte der AMI-Ölsaatenexperte Steffen Kemper heute bei einem Online-Webinar der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP).

Zahlreiche Ackerbauern hätten sich schon im vorigen November - also ganz am Anfang der monatelangen Preishausse - von großen Teilen ihrer 2020er-Rapsernte getrennt und parallel dazu umfangreiche Vorkontrakte für die Ernte 2021 gemacht, erklärte Kemper. Als die Einkaufspreise für Inlandsraps dann Anfang März auf über 500 Euro/t frei Lager des Erfassers gestiegen seien, hätten viele Anbauer zu solchen Spitzenpreisen oft nur noch Kleinstmengen vermarkten können. "Ende März waren nur noch rund 5 % der Ernte in Erzeugerhand" berichtete der Marktexperte bei dem UFOP-Webinar von entsprechenden Erhebungen der AMI. Einen im Schnitt besseren Rapspreis verspreche das Splitting auf mehrere Vermarktungszeitpunkte.

Für die Anfang Juli startende Vermarktungskampagne 2021/22 rechnet Kemper mit einer Verstetigung des aktuell hohen Preisniveaus beim Raps und begründet seinen Optimismus mit der unverändert angespannten Versorgungslage in der Europäischen Union und weltweit. Es bleibe in der EU-27 bei einer Importlücke von 6,2 Mio t Raps, die Länder wie die Ukraine, Kanada und Australien schließen müssten, so der Fachmann. Kurz vor Ende der Saison 2020/21 verfüge die EU über Reserven von nur 500 000 t. Vermutlich werde es nicht gelingen, die leer gefegten Lager in den nächsten zwölf Monaten substanziell zu füllen. Ein weiterer Anstieg der Rapsnotierungen sei daher durchaus möglich.

Dass es 2021 zu einem starken "Ernteknick" bei den Rapspreisen kommt, steht für Kemper noch nicht fest. Kursstützend dürfte sich nach Einschätzung des AMI-Experten einerseits der hierzulande verzögerte Erntebeginn auswirken. Vielerorts würden die Mähdrescher nämlich erst mit ein- bis zweiwöchiger Verspätung gegenüber Normaljahren loslaufen. Die von Knappheit geprägte Übergangsphase mit ausverkaufter Ernte 2020 und fehlendem Nachschub aus dem Ausland könnte den Rapspreisen weiteren Auftrieb geben. Für feste Rapsnotierungen spreche auch die jüngste Befestigung am Rohölmarkt, der auf sinkende Corona-Fallzahlen und der Aussicht auf ein weltweit stärkeres Wirtschaftswachstum mit steigenden Notierungen reagiert habe.

Unterdessen ist der Terminraps an der europäischen Leitbörse mit Kursgewinnen in die neue Handelswoche gestartet. Der vordere August-Kontrakt verteuerte sich heute bis zum frühen Nachmittag gegen 14.30 Uhr um 7,50 Euro/t beziehungsweise 1,5 % auf 514,50 Euro/t. Mitte Juni war der Frontmonat zwischenzeitlich unter die vor allem psychologisch wichtige 500-Euro-Marke gefallen. AgE


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